Juliet Hall: Eine letzte Spur
Ist Juliet Hall eine Schwester von Charlotte Link? Das soll jetzt aber keine Kritik sein, ich mag Charlotte Link. Sie ist ein bisschen tantenhaft, aber ihre Psychopathen sind so grausam realistisch, dass man sich immer fragen muss, wann die eigenen Bekannten die Maske fallen lassen. Ich finde das so gruselig, dass ich nicht aufhören kann, zu lesen. Alle Anfangsmätzchen der Bösewichte hat man selber schon erlebt. Bei Juliet Hall ist das ganze nicht so spannend und zwingend aufgebaut. Die Protagonisten sind eher wie Daily Soap-Darsteller gestaltet, also mehr eine Parodie des echten Lebens als das echte Leben. Das Buch würde ich meiner Oma leihen und sie würde sagen: “Mensch, stell dir vor was der dann noch gemacht hat, der Saubär! Diese jungen Leut!” und sie wäre glücklich.
Zur Geschichte: Mariannes Ehemann verschwindet während eines Italienurlaubs, als sie gerade hochschwanger ist. Sieben Jahre wartet sie, dann schockiert sie der Heiratsantrag ihres langjährigen Freundes so, dass sie jetzt die Wahrheit herausfinden muss. Nebenschauplätze: Mutter Penelope und Großmutter Iris, jeweils mit ihrer großen Liebe, die sich schon früh verabschiedet hat. Penelope und Iris sind too much, aber aus Mariannes Geschichte hätte man was machen können. Die Auflösung ist mau.
Juliet Hall: Eine letzte Spur, Lübbe Verlag, 445 Seiten
Guillem Frontera: Das Mallorca-Komplott
Ein Privatdetektiv besucht seine Exfreundin bei ihrem jetzigen Mann, kurz darauf ist sie tot und er verdächtig. Im Verlauf der Geschichte wird er von verschiedenen Mächten auf der Insel hin- und hergeschwemmt. Das ist zu wenig Inhaltsangabe? Mehr passiert aber auch nicht! Ob eine zweite, dritte oder vierte Person mit zwielichtigem Hintergrund auftaucht, ist doch egal. Es ist irgendwie nicht wirklich spannend und die Geschichte auch für sich nicht so besonders, dass man sie sich über die letzte Seite hinaus hätte merken müssen. Trotzdem habe ich es immerhin zu Ende gelesen und das ist ja schon mal was. Für einen weiteren Wühltischfund gar nicht so schlecht, finde ich, aber keine Entdeckung.
Guillem Frontera: Das Mallorca-Komplott, Grafit Verlag, 203 Seiten
Hakan Nesser: Das Grobmaschige Netz

Das Grobmaschige Netz ist ein typischer Nesser Krimi: kurzweilig (aber nicht zu sehr) und gut geschrieben. Ein Lehrerin wird ermordet, ihr Mann steht unter Verdacht. Ein Schwachpunkt ist seine schnelle Verurteilung, noch bevor van Veeteren richtig angefangen hat zu ermitteln. Also diesmal erst Verurteilung und dann Ermittlung. Dann seine Verlegung (auch nicht ganz logisch) in eine psychiatrische Anstalt, die ihm dann zum Verhängnis wird. Der Rest ist nicht übermäßig überraschend, aber bitte selber lesen.
Hakan Nesser: Das Grobmaschige Netz, btb Verlag, 256 Seiten
Oliver Pötzsch: Die Ludwig Verschwörung
Seit mir meine liebe Freundin S. einen Ausflug zu Schloss Linderhof geschenkt hat, sind wir beide im König Ludwig-Fieber. Wir hatten eine sehr charmante Führerin, mit der seltenen Fähigkeit, selbst die absurdesten Spleens des Kini, wie meine Oma sagen würde, als Glück für die Allgemeinheit darzustellen. Unter anderem meinte sie, ohne den König wären wir Bayern nur ein wildes Volk an voralpinen und alpinen Kriminellen und Bauerntrampeln geblieben. Allein der König hätte uns Kunst und Finesse nahegebracht, sonst hätten wir nichts auf die Reihe gebracht. Sie selbst war Berlinerin und an der Stelle hat sich dann meine Freundin S. leicht echauffiert dank ihres ausgeprägten Gerechtigkeitssinns. Wie dem auch sei, plötzlich schien uns Ludwig II. wie ein verkannter Visionär, seiner Zeit weit voraus und unendlich spannend. Wie es der Zufall will brachte ich meine Freundin S. vor einer Woche zum Flughafen und fand in einem der Buchläden das Buch von Oliver Pötzsch, Die Ludwig Verschwörung. Und wie man oben schön sehen kann, habe ich versucht, es so standesgemäß wie möglich zu konsumieren, nämlich im Hotel Überfahrt am Tegernsee. Ich weiß, Starnberger See hätte es sein müssen, aber See ist immerhin See. Im Buch geht es um die letzten Wochen und Stunden Ludwigs II. Endlich wird das Rätsel um seinen geheimnisvollen Tod gelöst, bei der Entschlüsselung eines alten Tagebuchs, das dem Antiquar und Protagonisten Steven Lukas eines Tages untergeschoben wird. Ab da sind schräge Typen hinter ihm her, wie etwa die Guglmänner. Sehr aufschlussreich ist das Glossar am Ende, aus dem man erfährt, welche Teile des Buches auf recherchierten “harten” Fakten basieren und welche auf der Phantasie des Autors. Das Ende ist ein bisschen sehr explosiv, gleichzeitig fehlt Tempo, aber ansonsten hat mir das Buch viel Spaß gemacht. Wer hat nicht Spaß an Verschwörungstheorien?
Oliver Plötzsch: Die Ludwig Verschwörung, Ullstein Verlag, 570 Seiten
Jac Toes: Verrat
Verrat spielt in Holland und in Bolivien. Wo die Geschichte irgendwie ein bisschen abdriftet und surreal wird. Obwohl, wer weiß? Ich kann nicht gerade behaupten, dass ich über die Drogenmafia Bescheid wüsste und sie interessiert mich auch nicht besonders, deshalb versuche ich Krimis, die im Drogenmillieu spielen, eigentlich immer zu umgehen. In den bin ich aber irgendwie reingerutscht, auf dem Klappentext stand gar nichts von Drogenkrieg. Macht nichts, ich habe es überlebt und es war sogar ganz spannend, wenn auch nicht übermäßig. Nur stelle ich mir das einfach ein bisschen härter vor, es geht mir nicht in den Kopf, dass ein einfacher Rechtsanwalt aus Holland so mir nichts dir nichts nach Bolivien fährt und die ganze Bande an der Nase herumführt? In Bolivien passiert auch der große Logikfehler, im Dschungel. Mehr verrate ich nicht.
Jac Toes: Verrat, Grafit Verlag, 347 Seiten
Margherita Oggero: Schön, Blond, Reich und Tot
Ganz entgegen dem, was der Titel vermuten lässt, ist das Buch von Margherita Oggero einer der nettersten Krimis und Geschichten überhaupt, die ich je gelesen habe. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie die Hauptperson heißt, eine Lehrerin knapp unter vierzig, ich bin mir nicht einmal sicher, ob ihr Name je genannt wurde. Trotzdem wurden sie, ihr Mann (Renzo) und ihre Tochter (Livietta) sowie einige Freundinnen (Sara, Gina, usw.) so gekonnt und witzig beschrieben, dass ich das gefühl habe, sie jetzt sehr gut zu kennen. Mit ihren ganzen Schrullen und Eigenheiten, wie der Vorliebe für Punt e Mes oder den knackigen Comissario, ist sie ganz eindeutig die liebenswerteste Amateur-Detektivin meiner umfangreichen Büchersammlung. Das Opfer: eine Lehrerskollegin, schön, blond, reich. Der Rest? Unbedingt selber lesen!
Margherita Oggero: Schön, Blond, Reich und Tot, Grafit Verlag, 283 Seiten
Susanne Fischer & Fanny Müller: Stadt Land Mord
Stadt Land Mord: Kriminelle Briefe nachgelassener Frauen habe ich von der allerliebsten Freundin meines Bruders zu Weihnachten bekommen, sie hat es mir aus der Schweiz mitgebracht. Nein, er hat nicht mehrere Freundinnen, sondern nur eine und die ist mir herzallerliebst. Damit wären wir aber schon beim Thema gewesen. Stadt Land Mord ist ein ganz absurdes Buch aber dabei so nett und komisch, dass ich beim Lesen immer lachen musste. Das hat mir heute morgen in der U-Bahn schon misstrauische Blicke eingebracht. Wie es der Untertitel des Buches schon sagt, ist der Roman in Briefform geschrieben. Briefe, die sich – und jetzt verrate ich was – verwittwete Frauen gegenseitig schreiben. Dann schmieden sie verbotene Pläne. Mein Lieblingssatz ist: “Leider bräuchten wir noch jemand, der die Ober ablenkt und uns hinterher erpressen wird”.
Susanne Fischer & Fanny Müller: Stadt Land Mord. Kriminelle Briefe nachgelassener Frauen, Verlag Klaus Bittermann, 156 Seiten
Bjørn Bottolvs: Tote Zeugen lügen nicht
Ich habe festgestellt, man kann nicht immer Glück haben mit Büchern aus der Wühlkiste. Bei diesem Buch musste ich mich stark disziplinieren, um dran zu bleiben. Das hatte folgende Gründe (Ich sage nicht, dass das Buch schuld ist, vielleicht kann ich mich im Moment einfach nicht richtig konzentrieren. Aber für einen Krimi sollte es eigentlich schon reichen): Das Buch ist überhaupt nicht spannend, hat kein Tempo, fesselt mich nicht. Mir fehlt der rote Faden, es ist total verwirrend, plötzlich werden Leute verhaftet/gesucht/gefunden/befragt, von denen ich vorher noch nichts gehört habe. Oder kann ich mich nur nicht daran erinnern? Wie gesagt, ich bin auch bereit, meine Mitschuld zuzugeben, aber vielleicht war es auch wegen Punkt drei: Die Namen sind so kompliziert. Immerhin ist mir der Protagonist sympathisch, Jo Kaasa. Nein, das ist eben keine Frau, sondern ein Streifenpolizist. Aus Norwegen. Mit verschiedenen Kollegen auf Streife, arbeitet an einem Fall mit unübersichtlich vielen Opfern/löst ihn, ist ständig mit der Fahndung nach Personen beschäftigt, die auch immer gefunden werden (ja, klar), hat auch noch Probleme mit seinem Teenager-Sohn und eine Eifersuchts-Missverständnis-Geschichte mit seiner Frau wird auch angeteast aber dann nicht wieder aufgegriffen. Neben einigen anderen Geschichten. Naja, dafür tauchen ja andere aus dem Nichts auf. Von mir diesmal leider keine Empfehlung, aber immerhin auch keine Warnung.
Bjørn Bottolvs: Tote Zeugen lügen nicht, Knaur Verlag, 299 Seiten
Peter Temple: Kalter August
Ein schönes Buch! Mein erster australischer Krimi – zumindest der erste bewusst als australisch wahrgenommene. Ich mag Joe Cashin, den Polizisten. Ich mag auch die Geschichte und die Sprache und den Fluss der Erzählung. Außerdem lernt man Australien von einer ganz anderen Seite kennen. Mit kaltem Regenwetter und dann die Leute. Ich kann es überhaupt nicht einschätzen, ist der Rassismus in Australien wirklich immer noch so stark verbreitet? Leider kann ich keinen Australier fragen, ich kenne keinen. Wenn es wirklich so ist wie in dem Buch dann ist es allerdings grauenerweckend. Das Buch ist mehr schön als spannend oder schnell und sehr zu empfehlen. Wieder mal ein Glücksgriff auf dem Mängelexemplaretisch!
Peter Temple: Kalter August, C. Bertelsmann Verlag, 444 Seiten
Brian Freeman: Las-Vegas-Killer
Ich frage mich immer wieder, wie Inhaltszusammenfassungen auf den Buchrücken eigentlich entstehen. Wie so oft ist auch der Teaser dieses Buches – wenn auch nicht falsch – dann zumindest sehr irreführend und verleugnet die ersten 400 Seiten dieses Thrillers. Die trotzdem sehr spannend sind, also sei dem Verfasser verziehen. Der Protagonist, Jonny Stride genannt, ist mir äußerst sympathisch. Er ist sehr liberal, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu wedeln oder ein Übermensch zu sein. Jonny Stride also ist, wie der Titel schon sagt, in Las Vegas unterwegs auf der Suche nach einem Serienmörder. Dazwischen gibt es jede Menge Glücksspiel und Revuetänzerinnen und rundherum noch mafiöse Verstrickungen. Dem sympathischen Normalo Stride sei Dank ist die Geschichte aber auch für deutsche Augen nicht zu abgefahren. Lesenswert!
Brian Freeman: Las-Vegas-Killer, Hoffmann und Campe Verlag, 494 Seiten




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