Dick Francis
Ich verspreche, weitere Dick Francis’ Bücher erhalten einen eigenen Artikel. In diesem aber werden Doping, Favorit, Ausgestochen und Außenseiter gemeinsam besprochen, denn ich habe zu allen das gleiche zu sagen und bin zu faul, es vier mal in unterschiedliche Worte zu packen. Alle vier sind nette Bücher, angenehm geschrieben und nicht zu spannend. Sie spielen alle vier im Rennsport-Millieu und haben mir Lust auf einen Tag auf der Rennbahn gemacht. Für Leser, für die ein gepflegter Krimi auch ohne Tote und viel Action auskommt, sind die Bücher auf jeden Fall empfehlenswert.
Dick Francis, Doping, 346 Seiten, Diogenes Verlag
Dick Francis, Favorit, ein Sid-Halley-Roman, 410 Seiten, Diogenes Verlag
Dick Francis, Ausgestochen, 351 Seiten, Diogenes Verlag
Dick Francis, Außenseiter, 397 Seiten, Diogenes Verlag
Anne Zouroudi: Der Fremde aus Athen
Was für ein Glücksgriff auf dem Mangelexemplare-Bücher-Wühltisch von Hugendubel! Ein Buch über die Liebe, Leiden, die Götter und die Schlechtheit der Menschen. Es spielt in den Wintermonaten auf einer kleinen Insel in Griechenland und erzählt die Geschichte einer Toten. Wer schon einmal im Winter in einem griechischen Dorf war, kann die Atmosphäre von Dunkelheit, Kälte, Wind, Einsamkeit und Trostlosigkeit verbunden mit fehlender Privatsphäre bestimmt gut nachvollziehen.Trotzdem schließt man das Buch – viel zu früh nach Seite 348 – mit einem Gefühl der Befriedigung und einer unbestimmten Hoffnung. Unbedingt lesen!
Anne Zouroudi, Der Fremde aus Athen, 348 Seiten, Page & Turner Verlag
Sebastian Junger: Tod in Belmont
Mein Bruder sagt immer, ich wäre viel zu gnädig mit den Büchern und ich solle doch auch mal einen richtigen Verriss schreiben! Vielleicht liegt das daran, dass ich einen so gigantischen Bücherverzehr habe, dass ich es mir nicht wirklich leisten kann, so wählerisch zu sein? Sonst hätte ich vielleicht nicht mehr genug zum Lesen. Das wäre tragisch. Und so leid es mir tut, der “Tod in Belmont” ist wieder so ein Buch, das ich nicht wirklich verreißen kann, selbst wenn ich es auch nicht gut fand. Als Unterhaltung ist es ok. Ein bisschen reißerisch, auch wenn der Autor so tut als wäre er ach so distanziert und objektiv – er genießt es ohne Ende, ein (wirklich unbedeutender, aber das sage jetzt nur ich) Teil der Story des Boston Stranglers gewesen zu sein. Muss man das lesen? Definitiv nein. Kann man das lesen? Definitiv ja. Aber Bestsellerautor, wie es im Klappentext steht? Meine Güte! Vielleicht gibt es wirklich noch so viel mehr Leute, die so sind wie ich, dass sie alles lesen, was ihnen in die Finger kommt? Und sich das zu einer Bestseller-Auflage steigert? Ich weiß ja nicht. Aber die Vorstellung, die finde ich lustig.
Sebastian Junger, Tod in Belmont, 318 Seiten, Karl Blessing Verlag
David Guterson: Schnee, der auf Zedern fällt
Ich merke, es ist nicht so gut, mit dem Artikel über ein Buch zu lange zu warten. Oder doch besser? Es stellt sichjedenfalls so etwas wie der Seminareffekt ein (bitte verzeiht, ich weiß nicht mehr genau, wie das heißt). Was ich meine: nachdem man ein Buch gelesen hat, ist man noch ganz euphorisch und hat alle Gefühle in sich, egal ob wohlwollende oder ablehnende. Später schwächt sich alles ab und verschwimmt zu einer grauen Masse. So geht es mir mit David Gutersons “Schnee, der auf Zedern fällt”. Ich habe, glaube ich, getwittert, dass ich bis zum letzten Moment gezittert habe. Nun gut, dann habe ich das wohl, jetzt kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Was mir dennoch im Gedächtnis blieb, ist, dass ich dauernd mantraartig wiederholt habe: “Das kann er doch wohl nicht wirklich tun! Das kann er doch wohl nicht wirklich tun! usw.” Also habe ich wohl wirklich gezittert. Ob er es getan hat oder nicht, verrate ich natürlich NICHT! Das Buch hinterlässt eine beklemmende Stimmung (sogar noch nach Tagen) und erinnert uns daran, wozu wir fähig sind, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen. Und Beispiele finden sich nicht nur bis Mitte des letzten Jahrhunderts, wie im Buch, sondern bis zum heutigen Tag. Sprache ist gut, Stimmung hält an, lädt zum Nachdenken ein – was will man mehr? Ein Bißchen Begeisterung, wenns recht ist. Trotzdem lesenswert.
David Guterson, Schnee, der auf Zedern fällt, 502 Seiten, btb Taschenbuch/Goldmann Verlag
Hansjörg Schneider: Flattermann
Das Buch “Flattermann” spielt in Basel in der Schweiz. Die Geschichte spinnt sich um einen alternden Kommissar und dessen Besuche im Rheinbad während des Sommerurlaubs. Dort Beginnt die Geschichte und das Baden zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Es liest sich sehr leicht, wenn auch nicht besonders spannend. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Leben und der Charakter des Kommissars und des Flattermanns mehr in Vordergrund stehen als die Handlung. Für einen Bayern ist natürlich auch die Sprache sehr interessant, also das schweizer Hochdeutsch. Unsere “Boazn” findet beispielsweise ihren lang nicht so heruntergewirtschafteten Cousin in der schweizerischen “Beize”. Wer keine schnellen Krimis braucht und für wen das Leben älterer Herren von Interesse ist, dem sei das Buch empfohlen. Mir hat es gut gefallen.
Hansjörg Schneider, Flattermann, 172 Seiten, Bastei Lübbe
Kjell Eriksson: Das Steinbett
“Das Steinbett” ist ein Krimi mit der Komissarin Ann Lindell. Ich bin ja oft etwas skeptisch, wenn Männer Frauenfiguren entwerfen und umgekehrt. Bei Ann Lindell bin ich mir nicht so sicher, ob ich sie authentisch finde oder so, wie ein Mann sich eine Frau eben vorstellen würde. Unbestritten gut finde ich aber die Erzählweise von Kjell Eriksson, er lässt den Leser die Geschichte über seine Protagonistin erleben. Man liest ihre Gedanken, in denen sie kommentiert, was um sie herum geschieht und weiß so, was passiert. Es ist spannend, Geschehnisse oder auch nur Landschaften durch die Augen und Empfindungen eines anderen zu sehen. Das bringt das Geschehen sehr viel näher als eine objektive Beschreibung. Wirklich spannend ist das Buch aber leider trotzdem nicht. Obwohl es viele Tote gibt, ist das Tempo sehr langsam. Viele Fäden zerren am Geschehen, Orte wechseln und oft muss man überlegen: Was war jetzt da gleich noch mal in xy? Trotzdem lesenswert. Den Umschlag finde ich übrigens auch ganz schön!
Kjell Eriksson, Das Steinbett, 331 Seiten, Aufbau Taschenbuch Verlag
Minette Walters: Der Schrei des Hahns
“Der Schrei des Hahns” ist mit 144 Seiten nur unwesentlich länger als das Buch “In Flammen”, aber um Welten spannender. Außerdem beruht es auf einer wahren Geschichte: Es geht um einen jungen Mann, der, von seiner etwas älteren Freundin gedrängt, in das schwierige Geschäft mit Hühnern einsteigt und sich das Leben dadurch nicht leichter macht. Da er schon zur Verlobung sozusagen gezwungen wurde, kann man sich vorstellen, dass er immer verzweifelter wird. Mehr von der Geschichte erzähle ich jetzt nicht, aber es sei gesagt, dass sich im Laufe des Buches ein fast körperliches Unwohlsein einstellt, weil man die Tragödie von Kapitel zu Kapitel näher kommen sieht. Tatsächlich, am Ende stirbt jemand. Fazit: Lesenswert!
Minette Walters, Der Schrei des Hahns, 144 Seiten, Goldmann Verlag
Minette Walters: In Flammen
Minette Walters ist noch so eine Autorin, deren Krimis typisch englisch sind. Aber im Gegensatz zu Martha Grimes, die eigentlich Amerikanerin ist, kommt Minette Walters aus London und dementsprechend sind ihre Bücher weniger idyllisch – sofern man das bei einem Krimi überhaupt sagen kann! Sagen wir, weniger romantisch verklärt. Tatsächlich ist es so, dass sich in ihren Büchern öfter mal menschliche Abgründe auftun und weniger Tee getrunken und Scones gegessen werden. Gespannt war ich deshalb auf das Buch “In Flammen”, das mit 142 Seiten eher dünn ist und schon nach kurzem ausgelesen war. Es geht um eine irische Familie, die sofort in Verdacht gerät, als ein grausamer Mord an zwei alten Ladies geschiet. In Bericht-Form aufgebaut, erinnert das Buch eher an eine Reportage und hat irgendwie nicht die Zeit, wirklich Spannung aufzubauen. Das Ende/die Auflösung sieht man auch nicht kommen und denkt sich dann: Hätte sie mich nicht mit ein paar beiläufigen Kommentaren bei Laune halten können, so dass ich meinen eigenen Verdächtigen verdächtigen hätte können? So hatte ich gar keinen und ehrlich gesagt, hat es mich auch gar nicht mehr interessiert. Fazit: Langweilig!
Minette Walters, In Flammen, 142 Seiten, Goldmann Verlag
Martha Grimes: Mordserfolg
Ich bin ein Riesen-Fan von Martha Grimes. Ihre Inspector Jury-Reihe ist dafür verantwortlich, dass sich in meinem Kopf ein Bild von England und Engländern festgesetzt hat, das zum größten Teil aus Gentlemen, Landadeligen an jeder Ecke, Teetrinken, Scones und Tweedröcken mit Twinsets besteht. Und zwar nicht verstaubt! Dieses Bild beschreibt sie so sympathisch und detailliert, dass ihm nicht mal die Konfrontation mit der Realität in Form eines Kreta-Urlaubs etwas anbhaben konnte – zumindest nicht längerfristig. Nachdem ich mit fast allen Inspector Jury-Büchern durch war (“Inspector Jury lässt die Puppen tanzen” fehlt mir noch), habe ich mir “Mordserfolg” gekauft, das als Krimikomödie angepriesen wird. Es spielt im Schriftsteller-Millieu von New York, ein Bestseller-Autor testet, wie weit einzelne Personen für einen Vertrag mit ihm gehen würden. Außerdem gibt es noch ein paar andere Schreiberlinge, Lektoren und äußerst sympatische Auftragsganoven. Mehr sage ich jetzt nicht – sonst wär ja schon alles verraten! Obwohl einige Charaktere wirklich sehr liebevoll beschrieben werden und über gewissen Charme verfügen, fehlt mir irgendwie sowohl die Komödie als auch der Krimi. Ich habe gern darin gelesen, aber an die Couch hat es mich nicht gefesselt – schade! Sehr interessant sind allerdings die Einblicke in das Verlagsgeschäft. Fazit: Ganz nett.
Martha Grimes, Mordserfolg, 414 Seiten, Goldmann Verlag

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