Rezensorium • Bücherblog

Manuel Vásquez Montalbán: Laura und Catalina

Veröffentlicht in Prosa von Mirl am November 18, 2009

“Laura und Catalina. Zwei Liebesgeschichten des Pepe Carvalho” so heißt das Buch aus der Salto-Reihe von Wagenbach. Gewohnt schön gestaltet. Pepe Carvalho, der Detektiv, auf der Suche nach zwei Mördern. Die Liebesgeschichten? Ja, in der ersten Erzählung gibt es eine. Das ist Laura. Catalina – ich gestehe, ich musste gerade nachschauen – kommt in einem Song vor. Aber egal! Ich meinte einmal, wenigstens muss ein Buch entweder eine schöne Sprache oder eine schöne Geschichte haben. Diese Erzählungen fallen eindeutig unter die Kategorie “schöne Sprache”. Trotzdem ist es ja manchmal so, dass Geschichten aus guten Büchern erst tagelang im Unterbewußtsein rumoren, bis sie dann in einem unerwarteten Moment an die Oberfläche kommen und ihre Tiefe offenbaren. Könnte auch hier so sein, ich habe größtes Vertrauen in die Lektoren des Wagenbach Verlags. Der Beweis steht noch aus! Bis dahin ist das Buch zumindest ein netter, wenn auch kurzer, Zeitvertreib.

Manuel Vásquez Montalbán, Laura und Catalina, 113 Seiten, Wagenbach Verlag

Ingvar Ambjörnsen: Innocentia Park

Veröffentlicht in Prosa von Mirl am November 18, 2009

Ich mochte das Buch. Der Protagonist ist voller Eigenarten. Trotzdem irgendwie nachvollziehbar. Dass ich komische Charaktere, deren Verrücktheit ganz normal scheint, sehr faszinierend finde, weiß man ja sein Luigi Malerbas “Die Schlange”. Sonst gibt es nicht wirklich viel zu sagen, es ist weniger eine Geschichte als eine Begleitung durch ein paar Tage. Spannend ist wie gesagt die Zeichnung des Protagonisten, eines Herren  mittleren Alters, reich und eben verrückt. Oder doch nicht? Ich hoffe nur, dass der Autor mit dem Buch nicht das Verhältnis zu seinem Sohn aufarbeiten wollte. Wer es gelesen hat, wird wissen, wovon ich spreche. Also los!

Ingvar Ambjörnsen, Innocentia Park, 224 Seiten, Scherz Verlag

Salim Alafenisch: Der Weihrauchhändler

Veröffentlicht in Prosa von Mirl am November 8, 2009

Das Buch “Der Weihrauchhändler” enthält eine Reihe von Erzählugen aus der arabischen Wüste. Liebevoll wird von kleinen Listen erzählt, die es den Mitgliedern des Nomadenstammes erlauben, innerhalb des Lebens auf engem Raum zu bestehen. Weise Mütter, liebe Schwestern, erfahrene Tanten und kluge Onkel werden um Hilfe gebeten und keiner muss bei den raffinierten Winkelzügen das Gesicht verlieren. In Salim Alafenischs Geschichten hat jeder seinen Platz, so wie er ist und mit den Charakterzügen, die ihm eben eigen sind. Trotzdem macht mich das Buch ein wenig traurig. Vielleicht, weil diese Art zu leben (bald) der Vergangenheit angehört? Oder weil es in unserer Gesellschaft dagegen nur wenige, meist materielle “Kategorien” gibt, nach denen der Wert eines Menschen bemessen wird? Jedenfalls ein schönes Buch zum Lesen und Verschenken. Schon um solcher Weisheiten wegen wie: “Um die Rose mit Wasser zu erfrischen muss man auch die Dornen mittrinken lassen”.

Salim Alafenisch, Der Weihrauchhändler, 139 Seiten, Unionsverlag

Victor Auburtin: Pfauenfedern

Veröffentlicht in Prosa von Mirl am November 1, 2009

PfauenfedernEs gibt Bücher, denen sieht man schon am Einband an, dass der Verlag den Autor wertschätzt. So bei dem Vorliegenden, das hält, was das hochwertige, matte Papier-Hardcover mit Aquarell verspricht: “Pfauenfedern” besteht aus einer ganz wunderbaren Sammlung von Kurzgeschichten und Feuilleton-Texten von Victor Auburtin. Die Erzählweise ist fast orientalisch, so reich an Fantasie und märchenhaft-weise. Das ist so gelungen, man möchte das Buch gar nicht mehr weglegen und ich jedenfalls habe es in einem Rutsch durchgelesen. Eine Entdeckung!

Victor Auburtin, Pfauenfedern, 223 Seiten, Verlag Das Arsenal

Liza Cody: Gimme more

Veröffentlicht in Prosa von Mirl am November 1, 2009

Gimme moreSo, jetzt bin ich durch mit Liza Codys Buch. Gimme more wäre dabei so ungefähr das Letzte, das mir dazu einfallen würde. Genauer gesagt bin ich froh, dass ich es endlich weglegen kann. Warum ich mich da überhaupt durchgezwungen habe? Weil ich Optimist bin! Eigentlich erwarte ich auch gar nicht so viel von einem Buch, aber entweder eine schöne Sprache oder eine gute Geschichte sollte es schon mindestens haben. Gimme more hat eine grauenhafte Sprache, sie soll wohl Londoner Mundart sein oder Musik-Szenen-Slang – Brrrrr! Oder ist das das, was man so Popliteratur nennt? Es klingt ungefähr so, wie sich Erwachsene vorstellen, dass Jugendliche sprechen. Und die Hauptfigur ist ungefähr so beschrieben, wie sich eine verhuschte Hausfrau eine “total abgefahrene” Rockerbraut eben vorstellen würde. Das bringt einen dazu, so oft mit den Augen zu rollen, dass man an sich dabei sogar an der Supermarktkasse ertappt, während man die klein aufgedruckten Slogans auf den Familienpacks des vor-einem-Stehenden liest. Fazit: Sorry, aber das sollte man sich nicht antun müssen.

Liza Cody, Gimme more, 373 Seiten, Unionsverlag

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