Rezensorium • Bücherblog

Elizabeth von Arnim: Die Reisegesellschaft

Posted in Lieblingsbücher, Roman by Mirl on Oktober 8, 2011

20111008-235600.jpgNeulich wurde ich in der U-Bahn von einem alten Herrn mit einem Geigenkasten inbrünstig als – man höre – Faules Stück beschimpft, nachdem er sich, sowohl um seinen Platz zu erreichen als auch ihn wieder zu verlassen, sehr eng an meinen Knien vorbeidrückte und nicht etwa den freien Platz für seine Passage nützte. Der Vorwurf des Alten mit seiner Geige hat mich natürlich stark getroffen. Doch sollten Sie jemals als blutleer und kraftlos beschimpft werden, sollten Sie das nicht vorschnell abtun und lachen! Nach der Lektüre von Elizabeth von Arnims Buch Die Reisegesellschaft geht Ihnen bestimmt ein Licht auf. Blutleer und kraftlos sind seither meine Lieblingsschimpfwörter und werden, das verspreche ich, auch die Ihren werden. Höchstens das Strandgut ihres Geschlechts kann diesen Rang streitig machen… oder ein paar andere Köstlichkeiten des Barons Otto von Ottringel. Der Baron befindet sich auf Wohnwagentour durch England und erklärt uns wie eine Art gewitztes Glühwürmchen seine Welt, sofern er nicht gerade mit strenger Hand seine aufmüpfige Gattin Edelgard zur Räson bringen muss oder damit beschäftigt ist, sich um seine Aufgaben zu drücken. Die Reisegesellschaft ist mit Sicherheit eines der  lustigsten – wenn nicht das lustigste – Buch, das ich jemals gelesen habe. Im Urlaub wurde es an alle Familienmitglieder und Freunde weitergereicht. Was zur Folge hatte, dass die lustigen Szenen wieder und wieder vorgelesen wurden und wir sie teilweise schon mitsprechen konnten. Und dabei ist es nie langweilig geworden, sondern eigentlich immer lustiger. Dieses Buch ist ein Meisterwerk an Witz und Ironie und man muss es unbedingt lesen, am besten im Urlaub und in Gesellschaft. Unbedingt!

Elizabeth von Arnim: Die Reisegesellschaft, Insel Verlag, 371 Seiten

David Nicholls: Keine weiteren Fragen

Posted in Roman by Mirl on Mai 1, 2011

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Für meinen letzten Urlaubstag habe ich mir nichts vorgenommen als Couch und Buch. Das habe ich auch in einem Rutsch durchgelesen. “Nein, tue es nicht – lass es nicht wahr sein – bitte nicht!!!”  sind in etwa die Gedanken, die einen durch das Buch begleiten. Mit ein paar “hat er es doch noch ganz gut hinbekommen, der Junge!” zwischendurch. Aber am Ende… Horror für jeden, der Mitgefühl und Phantasie hat! Trotzdem ist “Keine weiteren Fragen” wirklich ein sehr lustiges Buch. Fühlt es sich wirklich so an, ein Teenager-Junge zu sein? Wie schrecklich! Der dürre, pickelige und tollpatschige Brian hat es wirklich nicht leicht in seinem ersten Jahr an der Uni und im Laufe des Buches begleitet man ihn durch jede Menge Fettnäpfchen auf dem Weg zu Ruhm und Liebe. Hab mich gerade dabei ertappt, auf dem Autorenfoto nach Spuren pubertärer Akne zu suchen. Dabei kann ich gar nicht wissen, ob David Nicholls die Dilemmata eines männlichen Studienanfängers wirklich richtig beschrieben hat, aber es fühlt sich sehr echt an. Gar nicht schlecht!

David Nicholls: Keine weiteren Fragen, Kein & Aber Verlag, 437 Seiten

Elif Shafak: Der Bonbonpalast

Posted in Roman by Mirl on April 30, 2011

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Der Bonbonpalast hat mich durch meinen Urlaub begleitet. Wann immer ich eine kleine Pause zwischen Reitstunden und Tölttheorie hatte, habe ich mir das Buch geschnappt und mich in die Sonne gesetzt. Der Bonbonpalast erzählt kleine Geschichten aus dem Leben der Bewohner eines Mietshauses mitten in einem geschäftigen Viertel in Istanbul. Da gibt es Meryem, Musa und klein Muhammat, die Friseur-Zwillinge oder Zwillings-Friseure Cemal und Celal, Tantchen Madam und viele andere. Liebevoll und gleichzeitig schonungslos werden ihre Schrullen und Eigenheiten besprochen, die gleichzeitig die Grundlage der jeweiligen Spitznamen bilden. Eigentlich wehre ich  mich immer gegen eine Betonung der Unterschiede, aber das ist mir schon einmal bei einer Reise in den Nahen Osten so positiv aufgefallen: die Vorliebe für Spitznamen – verbunden mit einer großen Toleranz für die jeweilige Eigenschaft, die zu dem Spitznamen geführt hat. So wird ganz offen und gleichzeitig herzlich und vor allem sehr humorvoll der Spleen betont, ohne dass damit eine Unterlassungsaufforderung verbunden wäre. Wie schön! So ähnlich ist das auch in dem Buch der jungen türkischen Schriftstellerin Elif Shafak. Unbedingt lesen!!!

Elif Shafak: Der Bonbonpalast, Eichborn Verlag, 464 Seiten

Benjamin Berton: Am Pool

Posted in Roman by Mirl on April 17, 2011

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Puh, bei dem Buch habe ich ein echtes Problem. Was tun, wenn man das Buch ganz gut aber den Autor ganz furchtbar findet? Oder zumindest einige seiner Meinungen? In Bezug auf bestimmte Themen bin ich nun mal sensibilisiert. Zu meinen Reizthemen gehören abfällige Bemerkungen gegenüber Menschen, die anders sind als “wir”. Die sind meist schon so in unsere Alltagssprache eingegangen, dass sie den allermeisten gar nicht als rassistisch auffallen. Besonders das Bashing einer bestimmten Religion gehört schon fast zum guten Ton, klingelts?

Es ist traurig, abscheulich, kurzsichtig, dumm und was nicht sonst noch alles, aber leider weit verbreitet. Mir stellt es dabei die Nackenhaare auf und ich kann dann nicht mehr entspannt weiterlesen. Was soll ich nun also zu dem Buch sagen! Hier kämpft Inhalt gegen Form.

Die Geschichte: Eine Wirtschaftsprüferin fährt aus Paris nach Nizza, um mit ihrem Exfreund und seiner Clique ein Wochenende zu verbringen. Es geht um Drogen, Sex und den Teufel. Es ist schon nicht schlecht gemacht. Aber ich habe wie gesagt ein Problem mit dem Autor.

Benjamin Berton: Am Pool, Dumont Verlag, 267 Seiten

James Hamilton-Paterson: Einarmsegeln mit Millie

Posted in Roman by Mirl on März 21, 2011

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Einarmsegeln mit Millie ist wieder so ein Fund auf dem Wühltisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich es mir, nach einem kurzen Blick auf den faden Umschlag und den Klappentext – oder besser, weil Taschenbuch Deckeltext, für den vollen Preis gekauft hätte. Aber gerade das gefällt mir so gut an den Wühltischen (neben den Preisen natürlich), ich lese Bücher, die ich sonst bestimmt nicht mal bemerkt hätte. Wie man oben erkennen kann, habe ich dieses Buch durchaus stilvoll genossen: im Altstadt Vienna, einem der nettesten Hotels überhaupt. Oben auf dem Bild ist der Salon zusehen, wo ich zur Teestunde bei einem (außerordentlich leckeren!) Kuchen gesessen bin und gemütlich neben dem Feuer das Buch gelesen habe. Nun zum Buch: Es ist wirklich lustig! Es darf einem aber nichts ausmachen, dass sich Gerry Samper, die Hauptfigur, in nicht wirklich politisch korrekter Manier über alles und jeden ordentlich auslässt. Auf dem Weg zurück aus Wien musste ich am Flughafen so laut lachen, dass mich einige Leute ganz mitleidig angesehen haben. Gerry, ein ältlicher und im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich eigenartiger Ghostwriter erzählt aus seinem Leben und von seinem aktuellen Projekt. Erneut stößt er mit der Auftraggeberin seines letzten Buches zusammen, nämlich der einarmigen Seglerin Millie. Dazwischen lässt er seinen Gedanken über das Leben feien Lauf und kommentiert. Er kocht übrigens auch mit Leidenschaft – man denke nur an Dachs Wellington. Wenn man auch albernen Humor ganz gut ertragen kann, dann unbedingt lesen.

James Hamilton-Paterson, Einarmsegeln mit Millie, btb Verlag, 428 Seiten

Reinhard Rohn: Der Engel Am Ende Der Nacht

Posted in Roman, Thriller by Mirl on Februar 20, 2011

Ich habe es gerade eben fertig gelesen und bin noch ganz in der Stimmung gefangen. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber das Buch ist nicht wie die anderen Krimis, die ich sonst oft lese. Vielleicht, weil keine Übersetzung die Feinheiten zerstört? Oder weil die Geschichte so besonders ist? Oder in einem ungewöhnlichen Millieu, dem der klassischen Musik, spielt? Ich weiß es nicht, aber das Buch ist toll. Obwohl es nicht viel Tempo hat, konnte ich es kaum erwarten, weiterzulesen und zu erfahren, was mit den Protagonisten als nächstes geschieht. Ich wundere, leide, ärgere und freue mich mit Nora und mit Georg, deren Leben auch ohne Krimi eine Geschichte wert ist. Unbedingt lesen!

Reinhard Rohn: Der Engel Am Ende Der Nacht, Scherz Verlag, 447 Seiten

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